Von Bienen und Wespen

Man hat sich gerade gemütlich auf die Terrasse gesetzt und schon umstreift ein Insekt Bierglas und Kartoffelsalat. Schnell heißt es landläufig „Vorsicht Biene!“ oder „Vorsicht Wespe!“. Im Sommer häufen sich zudem Hilferufe bei den Imkervereinen und dem Landesverband saarländischer Imker, in denen Anrufer um Hilfe bezüglich eines Bienenschwarms im Garten oder Rollladenkasten bitten. Häufig scheint der Unterschied zwischen Biene und Wespe dabei jedoch nicht ganz klar. Was also ist der Unterschied?

Bienen und Wespen gehören beide zur Gattung der Insekten. Allen Insekten ist die deutliche Gliederung ihres Körpers in die drei Abschnitte Kopf, Brust und Hinterleib gemeinsam sowie das Vorhandensein von genau drei Beinpaaren. Bienen haben dabei einen eher rundlich-gedrungenen Körperbau, während Wespen eher schlank sind und die sprichwörtliche Wespentaille zeigen. Der deutlichste Unterschied zwischen beiden besteht hinsichtlich der Farbe: Wespen sind stechend gelb, während Bienen eher bräunlich-schwarz sind. Der Körper von Bienen ist deutlich behaart, während Wespen keine Haare tragen.

Dies hängt auch mit der unterschiedlichen Nahrungssuche der beiden zusammen. Bienen ernähren sich von Nektar und Pollen und benötigen die Haare an Körper und Beinen, um Pollen zu sammeln. Wespen hingegen sind Aasfresser und ernähren sich von heruntergefallenen Zwetschgen genauso wie von Würsten oder süßer Limonade. Das Insekt, das beim Abendbrot auf dem Balkon lästig wird, ist also mit großer Wahrscheinlichkeit eine Wespe. Ein gedeckter Tisch zieht Wespen an. Bienen interessieren sich hingegen nicht für uns Menschen.

Bienen stechen im äußersten Notfall, wenn sie sich bedroht fühlen. Das kann passieren, wenn man barfuß über eine Wiese geht und die Biene im Klee übersieht. Die Biene stirbt beim Stich und der Stachel bleibt mit einem Widerhaken in der Wunde stecken. Diesen sollte man rasch entfernen. Wespen hingegen können mehrfach stechen und fühlen sich scheinbar bereits durch geringere Anlässe gereizt als Bienen. Weil Wespen Aasfresser sind, entzünden sich ihre Stiche zudem häufiger.

Im Mai teilen sich Bienenvölker und suchen – wenn die Imkerin oder der Imker nicht aufpasst – neues Zuhause. Bienenschwärme bestehen aus tausenden Insekten, die sich als Zwischenstation in einer Traube beispielsweise am Ast eines Baumes niederlassen. Wer dieses Schauspiel einmal gesehen hat, wird es so schnell nicht wieder vergessen. Erstaunlicher Weise sind Bienenschwärme – auch wenn sie bedrohlich aussehen – relativ harmlos. Bei einem Scharm im Garten sollte man rasch eine Imkerin oder einen Imker in der Nähe informieren. Die Adressen der Vereinsvorsitzenden finden sich auf der Homepage des Landesverbandes unter www.saalandimker.de. Der Schwarm kann dann – so er sich nicht in schwindelerregender Höhe niedergelassen hat – verblüffend einfach eingefangen werden.

Was den „Bienenschwarm“ im Rollladenkasten angeht, so handelt es sich vermutlich um ein Wespennest. Hier darf der Imker nicht helfen, denn Wespen stehen (genau wie Hornissen) unter Naturschutz. Hier kann aber – wenn eine Umsiedlung aufgrund einer unmittelbaren Gefahr unumgänglich erscheint – die örtliche Gemeindeverwaltung weiterhelfen.